Der Moment ist unvergesslich: Nach einem langen Weg durch den Siq, eine schmale, bis zu achtzig Meter tiefe Felsschlucht, öffnet sich plötzlich der Blick auf eine in den rosafarbenen Sandstein gemeißelte Fassade. Al-Khazneh, das Schatzhaus von Petra, ist eines der ikonischsten Bauwerke der Welt — und doch nur der Anfang einer Reise durch ein Land voller Geschichte, Weite und Gastfreundschaft.

Jordanien vereint auf überschaubarer Fläche eine erstaunliche Vielfalt. In wenigen Autostunden reisen Sie von der antiken Nabatäerstadt in die Marslandschaft des Wadi Rum, vom tiefsten Punkt der Erde am Toten Meer zu den Korallenriffen des Roten Meeres. Der Herbst ist dafür die ideale Jahreszeit: Die Sommerhitze ist vorüber, die Tage sind warm und klar, die Nächte in der Wüste angenehm kühl.

Petra: Die rosarote Stadt

Petra war vor mehr als zweitausend Jahren die Hauptstadt der Nabatäer, eines Volkes von Händlern, die den Weihrauch- und Gewürzhandel zwischen Arabien und dem Mittelmeer kontrollierten. Die Stadt wurde zu großen Teilen direkt aus dem Fels geschlagen und gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Die wichtigsten Stätten

  1. Der Siq: Der rund einen Kilometer lange Schluchtweg ist der klassische Zugang zur Stadt. Das Spiel des Lichts auf den farbigen Felswänden verändert sich im Laufe des Tages ständig.
  2. Al-Khazneh: Das Schatzhaus ist das berühmteste Monument Petras. Am frühen Morgen, wenn die Sonne die Fassade langsam erhellt, ist die Stimmung besonders eindrucksvoll.
  3. Die Königsgräber: Eine Reihe monumentaler Grabfassaden, die sich an einem Berghang aneinanderreihen.
  4. Ad-Deir: Das Kloster liegt hoch über der Stadt und ist über einen Weg mit rund 800 Stufen erreichbar. Der Aufstieg ist anstrengend, doch die Fassade ist noch größer als die des Schatzhauses, und die Aussicht über die Berge ist überwältigend.
  5. Little Petra: Das kleinere Siq al-Barid nördlich der Hauptstätte ist deutlich ruhiger und vermittelt einen intimen Eindruck der nabatäischen Baukunst.

Petra erleben wie ein Kenner

Planen Sie mindestens zwei volle Tage für Petra ein. Am ersten Tag erkunden Sie die Hauptroute, am zweiten wandern Sie auf weniger begangenen Pfaden, etwa zum Opferplatz auf dem Hochplateau, von dem aus Sie auf das Schatzhaus hinabblicken. An ausgewählten Abenden findet Petra by Night statt: Der Siq und der Platz vor dem Schatzhaus werden dann von Hunderten Kerzen erleuchtet.

Ein privater, lizenzierter Guide ist sehr zu empfehlen. Er kennt nicht nur die Geschichte, sondern auch die besten Zeiten, um den großen Besuchergruppen auszuweichen.

„Petra ist keine Ruine, die man besichtigt. Es ist eine Stadt, die man betritt — und in der man spürt, wie klein die eigene Zeit gegenüber diesem Fels ist.”

Wohnen in Petra

Das Mövenpick Resort Petra liegt unmittelbar am Eingang zur archäologischen Stätte und ist ideal für einen frühen Start. Wer mehr Ruhe sucht, findet in den Hotels im nahen Dorf Wadi Musa und in den Hügeln oberhalb komfortable Unterkünfte mit Blick über die Berge.

Wadi Rum: Das Tal des Mondes

Etwa zwei Autostunden südlich von Petra liegt das Wadi Rum, eine Wüstenlandschaft aus rotem Sand und gewaltigen Felsmassiven. Die Region ist ebenfalls UNESCO-Welterbe und diente als Kulisse für zahlreiche Filme, darunter „Lawrence von Arabien” und „Der Marsianer”. T. E. Lawrence selbst beschrieb die Landschaft in seinen Erinnerungen mit großer Bewunderung.

Erlebnisse in der Wüste

Luxuscamps im Wadi Rum

In den vergangenen Jahren sind im Wadi Rum zahlreiche Luxuscamps entstanden. Besonders beliebt sind Unterkünfte mit gläsernen Kuppelzelten, die einen direkten Blick auf den Sternenhimmel ermöglichen, ohne auf ein eigenes Bad und ein komfortables Bett verzichten zu müssen. Am Abend wird häufig Zarb serviert, ein traditionelles Beduinengericht aus Fleisch und Gemüse, das in einem Erdofen unter dem Sand gegart wird.

Wer diese Form des Übernachtens schätzt, findet in unserem Beitrag über Glamping und Luxus-Camping weitere Inspirationen.

“

Im Wadi Rum lernt man, dass Stille eine Farbe hat. Sie ist rot am Abend, silbern in der Nacht und golden in dem Moment, in dem die Sonne über die Felsen steigt.

—— Exklusive Reisen Redaktion

Das Tote Meer: Schweben am tiefsten Punkt der Erde

Das Tote Meer liegt mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt auf dem Festland der Erde. Sein Wasser hat einen so hohen Salzgehalt, dass man mühelos an der Oberfläche treibt. Zum Ritual gehört das Einreiben mit dem mineralreichen Schlamm, dem eine pflegende Wirkung auf die Haut zugeschrieben wird.

An der jordanischen Küste liegen mehrere Luxusresorts mit großen Spa-Bereichen. Das Kempinski Hotel Ishtar Dead Sea beeindruckt mit einer von babylonischer Architektur inspirierten Anlage und einem weitläufigen Spa. Das Mövenpick Resort Dead Sea ist wie ein traditionelles Dorf angelegt. Ein Aufenthalt von zwei Nächten bietet die ideale Erholung nach den Wanderungen in Petra.

Unweit des Toten Meeres liegt zudem Bethanien jenseits des Jordan, die als Taufstelle Jesu verehrte Stätte, die ebenfalls zum UNESCO-Welterbe zählt.

Amman und der Norden

Die Hauptstadt Amman ist ein lebendiger Ausgangspunkt jeder Jordanienreise. Auf der Zitadelle stehen die Überreste des Herkulestempels und eines umayyadischen Palastes, und im Zentrum liegt ein gut erhaltenes römisches Theater. Hotels wie das Ritz-Carlton Amman oder das Fairmont Amman bieten internationalen Luxusstandard.

Nördlich der Hauptstadt liegt Jerash, eine der am besten erhaltenen römischen Provinzstädte außerhalb Italiens. Säulenstraßen, Tempel, Theater und ein ovaler Platz vermitteln eindrucksvoll das Leben in der römischen Antike.

Kultur und Menschen

Die Jordanier sind für ihre Gastfreundschaft bekannt, und besonders die Beduinen pflegen diese Tradition. Eine Einladung zu einem Kaffee im Zelt ist eine Ehre, die man annehmen sollte. Der arabische Kaffee wird mit Kardamom gewürzt und in kleinen Tassen gereicht. Wer genug hat, schwenkt die Tasse leicht hin und her.

Das Nationalgericht Mansaf, Lammfleisch in einer Soße aus fermentiertem Joghurt auf Reis, wird zu festlichen Anlässen serviert und traditionell gemeinsam gegessen. Die jordanische Küche ist darüber hinaus reich an Mezze, frischem Brot und aromatischen Gewürzen.

Wer die Kulturen des Nahen Ostens weiter erkunden möchte, findet in unserem Beitrag über Luxusreisen nach Ägypten eine lohnende Ergänzung.

Tipps für Ihre Reise

Kleiden Sie sich angemessen. Außerhalb der Resorts sind lange Hosen oder Röcke sowie bedeckte Schultern angebracht. In Petra und im Wadi Rum sind zudem feste Schuhe unerlässlich.

Starten Sie früh. In Petra sind die Morgenstunden die schönste und ruhigste Zeit. Wer bei Öffnung am Eingang steht, erlebt das Schatzhaus oft fast allein.

Informieren Sie sich über Kombitickets. Für viele Reisende lohnt sich ein Kombiticket, das Visagebühren und Eintritte zu den wichtigsten Stätten bündelt. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen vor der Reise.

Fazit: Ein Land wie aus Tausendundeiner Nacht

Jordanien im Luxusstil zu bereisen bedeutet, antike Wunder, grandiose Wüstenlandschaften und herzliche Gastfreundschaft mit erstklassigem Komfort zu verbinden. Von den Kerzen in Petra über die Sterne im Wadi Rum bis zum schwerelosen Treiben im Toten Meer bietet das Land Erlebnisse, die man ein Leben lang nicht vergisst. In der milden Herbstsaison zeigt es sich von seiner schönsten Seite.